Mittwoch, 28. Oktober 2009

Münchner Revolution


Diesen Post widme ich dem Thema Revolution und Freiheit und was dieses Thema für München bedeutet.
Bei dem Thema Freiheit denken die meisten Münchner wahrscheinlich eher an Freizeit und bei dem Thema Revolution zeigen sie auf ihr Che Guevara Shirt und damit hat sich die Sache für sie.

Dabei gab es in München viele Freiheitsbewegungen, einige mit ernsten politischen Hintergund und einige mit eher amüsanten Hintergund.

Anfangen werde ich mit dem Jahr 1704, genauer gesagt mit der Sendlinger Mordweihnacht. An diesem Abend zogen 19.000 bayrische Aufständische in die damals von Österreich besetzte Stadt um zu verhindern das München in österreichischer Hand bleibt.

Nicht 19.000 Bürger aber immerhin 2.000 Münchner schlugen im Jahr 1844 ganze vier Tage lang alle Brauereien in München kurz und klein. Der Protest richtete sich gegen König Ludwig I. der es gewagt hatte den Bierpreis um einen Pfennig zu erhöhen. Am Ende gab dieser den Bürgern recht und machte die Preiserhöhung rückgängig.

1919 war ein entscheidendes Jahr in der Münchner Geschichte. Die Beschäftigen der Rüstungsindustrie streiten, die Soldaten solidarisierten sich und 60.000 Menschen nahmen an politischen Kundgebungen auf der Theresienwiese teil. Kurt Eisner von der USPD ruft den "Freistatt Bayern" aus und wird dessen erster Ministerpräsident, während König Ludwig III. aus Bayern floh. Auch nachdem die reaktionär-monarchistischen Kräfte Kurt Eisner ermordeten, geben die Revolutionäre nicht auf und gründen die Münchner Räterepublik, ein politisches Model, das auf Anarchismus und Sozialismus gebaut wurde und von dem wir auch heutzutage immer noch das Modell der Betriebsräte haben.

Neben der weitbekannten Weißen Rose während der NS-Zeit, gab es im Jahr 1945 eine weitere Bewegung die den Namen " Freiheitsaktion Bayern" trug. In den letzten Tagen besetzten die Widerstandskämpfer um Ruprecht Gerngross, Radiosender in Erding und Freimann und forderten alle Münchner zur Kapitulation auf. Doch die Bürger die dieser Aufforderung gefolgt sind und weiße Flaggen hissten, wurden von der SS gejagt, wobei 40 Aufständische ums Leben kamen. Nach dem Krieg wurden die Freiheitskämpfer geehrt indem der Feilitschplatz zur Münchner Freiheit umbenannt wurde.

Weiter geht es mit den Schwabinger Krawallen, die 1962 stattfanden und in denen der spätere RAF-Terrorist Andreas Baader mit 40.000 jungen Menschen gegen die Polizei kämpfte.

Im Jahr 1995 demonstrierten die Münchner gegen Ihre eigene Spießigkeit. 20.000 Menschen ruften zur offiziellen "Biergartenrevolution" auf. Der Anlass war eine Klage gegen die Lärmbelästigung die Biergärten verursachen. Die Demonstranten, die von Blasmusik und Trachtengruppen unterstützt wurden hatten Erfolg, so das der Ausschank bis 22.30 erlaubt ist und erst ab 23 Uhr Ruhe herrschen muss.

Im Jahr 1997 haben es 10.000 Münchner erfolgreich geschafft einen Aufmarsch von Neonnazis nur durch Protest zu stoppen.

2007 wurde die Innenstadt von 13.000 Menschen besetzt die lautstark für ihr Ziel "Transrapid in die Tonne" demonstrierten. Ein Jahr später wurde das Projekt aufs Abstellgleis gefahren und den Münchner blieb von der überteuerten Magnetschwebebahn nichts als eine lustige Rede von Edmund Stoiber.

Im Jahr 2008 demonstrierten die Münchner schon wieder gegen eine Einschränkung Ihrer Gemütlichkeit diesmal in Form des Rauchverbots in Bayern, das ein Jahr darauf zugunsten der 5.000 blaudünstigen Demonstranten geändert wurde.


Auch heutzutage gibt es in München noch Revolutionäre wie zum Beispiel die Gruppe "Guerilla Gardening" die Nachts in München trostlose Gegenden bepflanzen, oder Fabian Bennewitz, der Organisator des Schulstreiks.
Und auch Ihr könnt Teil einer Bewegung werden, zum Beispiel am 14.11. wenn wir alle dazu aufgerufen sind Farbe gegen Rechts zu bekennen und gegen den, am selben Tag in München sattfindenden, Neonnazi Aufmarsch zu protestieren. Das ganze findet an einem Samstag tagsüber statt und es ist doch ein viel schöneres Gefühl Abends feiern zu gehen wenn man tagsüber dafür gesorgt hat, das Rassismus und Hass keinen Platz mehr in unserer bunten Stadt hat.

Eine ganz andere Form der Revolution bietet die sehr witzige Seite Flaucher.com die den Spruch "München ist das geilste Land der Welt" erfolgreich auf der ganzen Welt verbreitet.

Für die Leute, die sich immer noch nicht entscheiden können ob sie am 14.11. mitkommen oder denen Entscheidungen allgemein schwer fällt, habe ich noch ein Lied wieder mal von der Münchner Band "Blumentopf" dieses mal mit der Frage: "Warum eigentlich nicht?" bei dem die Jungs zeigen, dass sie lyrisch immer noch in der Champions League stehen.


Damit wars das für heute schon wieder, abschließend möchte ich euch noch ein Konzert der bereits oft in meinem Blog erwähnten Band "Frittenbude" (siehe Beitrag: Münchner Fritten) empfehlen, diese spielen diesen Freitag auf dem 7jährigem Jubiläum von Supershit.

Ich wünsche euch schonmal ein schönes Wochenende, hoffe das man sich am 14.11. sieht und freue mich wie immer über jede konstruktive Kritik.