Dienstag, 12. Januar 2010

Gastbeitrag I: Köln? Was willst du im Ruhrpott?


Wir haben Mitte Januar und das heißt es ist noch ein Monat hin bis es auch in der Rhein-Metropole wieder heißt : Kölle Alaaf! Die Jecken sind jetzt schon los und von arabischen Nächten bis hin zu zyprischen Abenden gibt es alles was das kölsche Herz begehrt. Grad eben in der Bahn, da sprach einer am Telefon von Kostümen zum griechischen Abend und der neben mir schlug die Regional Zeitungen voll mit Kostümtipps auf.
Aber dieses Jahr nicht mit mir. Ich versuche dieses Jahr zu fliehen. Warum? Ich habe Fasching in München schon nicht gemocht, die letzten 2 Jahre habe ich meinem damaligen Freund zu Liebe Karneval mitgemacht und eigentlich ist das Begehren auf der Straße mit Pinkeleinheiten an Urinalen und Dixiklos auch nicht wirklich sehenswert. Na gut, ich gebe zu, ein bißchen Spaß macht es ja schon, das beste Kostüm letztes Jahr war ein Typ, der sich als sein StudiVz Profil verkleidet hat. Das war urkomisch. Ein bißchen Ähnlichkeit mit dem Oktoberfest hat es auch. Man nehme die diversen Kneipen als Zelte und man hat kölsches Oktoberfest, aber wehe dem, der das vergleichen will. Die Rheinländer besitzen eine gar andere Mentalität, nicht zuletzt trinken sie ihr Kölsch nicht in Maßeinheiten sondern aus Reagenzgläsern. Scherz beiseite, ich mags ja. Das Kölsche. Das Rheinländische. Das Multi-Kulti Ding. Die Dönerbuden. Seit ich hier wohne, fühle ich mich schon ein wenig kosmopolitisch. Wohnend in Köln (noch), studierend in Bonn, und mit dem Studenten-NRW-Ticket kann ich bis an die gesamte deutsch-Benelux Grenze kostenlos mit den Zügen hintuckern. Wenn es mal soweit ist, dann ist es am schönsten, auch wenn man sich totärgert, weil die deutsche Bahn wiedermal die Durchsage brennende S-Bahn auf Strecken wie Düsseldorf-Duisburg bringt oder eine Bombenentschärfungen in z.B. Hürth nach der anderen folgt. Ist halt immer was los mit der Bahn. Aber böse darf man ihr ja nicht sein. Wo ich nur allzu wenig von anderen bayrischen Dörfern als Fast-Münchnerin erfahren habe, kenn ich schon fast ganz NRW. Aachen, Düsseldorf etc. Auch ins Ruhrgebiet ist es nur ein Katzensprung, aber am liebsten fahre ich Richtung Belgien, die Fahrt nach Brüssel kostet gerademal 15 Euro mit der Bahncard 25. So ist das hier in NRW. Jeder ist irgendwo unterwegs. Probiert es aus, und ihr werdet erstaunt sein, wie nett doch eigentlich NRW ist. Natürlich kein Vergleich zu den Bergen hinter München, aber dafür haben sie hier Eigenheiten, die man auch open-minded nennen kann, die tatsächlich ihren Ursprung an den 100 Nationen liegt, die in NRW leben. Ich kann nicht von Köln alleine reden. Weiß auch nicht, liegt wohl wirklich daran, dass ich es normal empfinde, alles einzubeziehen, weil alles wie ein großes Spinnennetz miteinander verknüpft ist. Und übrigens : Als ich München damals eröffnet hatte, dass ich nach Köln ziehe, hieß es : Köln? Was willst du im Ruhrpott? Und heute weiß ich: Köln ist Rheinland und der Ruhrpott liegt ne Stunde mit dem RE weiter oben. :)

PS: ach ja, und Kölns Kultur darf natürlich auch nicht vergessen werden. Außer der Dönerkultur bietet Köln auch eine sehr interessante Konzertkultur. Wie viele Bands habe ich schon gesehen, wo ich mich damals in München schwarz geärgert habe, dass sie nicht in München gebucht wurden. Ganz groß im Sommer und sehr zu empfehlen: die alljährliche c/o Pop. Am besten Festivalpass holen und die Woche ganz im Sinne der Popkultur einplanen, die 80 Euro sind es wert und auch wenn ich selbst nur bei ein,zwei Veranstaltungen pro Festivalzeit dabei gewesen bin, c/o Pop mind. einmal im Jahr muss sein. Und bitte, wer jetzt noch sagen will, es gäbe das überall woanders, der soll es mir beweisen. Zelte und Regenstiefel müsst ihr nicht einacken, die braucht ihr während der c/o Pop defintiv nicht. Alles findet drinnen statt. Und als Konzertguide biete ich mich auch gerne mal an. Und das Kunst,Theater und Film nach Köln zum Stadtgespräch muss ich auch nicht mehr erwähnen, Köln ist DIE Medienstadt! Jeder hat hier irgendwas mit Medien zu tun. Erschreckend ist es ganz und gar nicht, ich freue mich immer wieder, wenn bei ums Eck ein Film nach dem anderen gedreht wird, dann bin ich es schon fast leid, wenn ich nach Bonn ziehe. Doch dazu in einem anderen Gastbeitrag :)



Trang Dang lebt diesen Sommer seit zwei Jahren in Köln. Als geborene Vietnamesin studiert sie an der Universität in Bonn Asienwissenschaften und ist als Redakteurin bei dem (mit dem Journalisten-Preis der Bundestagswahl augezeichnetem) Radiosender bonncampus 96,8 freie Mitarbeiterin. Davor war sie bereits beim Störfunk M94.5 in München tätig und arbeitet immer noch beim Musikexpress Streetpromotionteam mit.

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